Sad Housemate Diary

Sad Housemate Diary

Nicht immer putzen alle in unserer Haus-WG Gimlet Casle so, wie sie sollten. Das macht uns sehr traurig. In Anlehnung an das “Sad Cat Diary“, das wir vor ein paar Tagen beim Prokrastinieren auf Buzzfeed fanden (OKAY, gibt’ schon länger, so what), haben wir unsere Gefühle über den fehlenden Putzeifer so mancher Mitbewohner zum Ausdruck gebracht.

Liebe Nachbarn!

Liebe Nachbarn!

Wir wurden schon oft gefragt, wie das mit den Nachbarn so läuft. Worauf wir immer sagen konnten, dass wir uns mit denen gut verstehen, dass sie auch schon teilweise mit Freunden bei unserem Wohnzimmerkonzert vorbeigeschaut haben. Unsere Lieblingsnachbarn sind H. und M., die wohnen ganz rechts in unserem Block, das sind die mit dem Gartenteich. Anfang August ist dann auch eine Familie in das bis dato leehr stehende Haus direkt neben uns eingezogen. Ich kenne sie noch nicht richtig, war viel weg seit ihrer Ankunft. Bei meiner Rückkehr aus der Hauptstadt vorgestern wurde mir bereits zugetragen, dass kürzlich der Vater um halb elf “pöbelnd” bei uns im Garten stand, weil zwei Mitbewohner tatsächlich noch auf der Terrasse saßen und sich unterhielt. Das geht ja auch nicht.

Heute hatten wir dann Post von seiner Frau, Dr. Erika Musterfrau-Mustermann*, im Brieffkasten. Der Doktortitel scheint ihr wichtig zu sein, sie führte ihn explizit im Briefkopf auf. Eine schnelle Fünfminuten-Recherche ergab, dass die Gute in Kunstgeschichte promoviert hat.

Die wesentlichen Inhalte des Briefes: Wir sind zu laut, nach 22 Uhr auf der Terrasse sitzen ist ein No-Go, die Nachbarn müssen (im Gegensatz zu den faulen Studenten) ja früh raus. Am besten sollten wir schon vor zehn Uhr abends nach drinnen gehen, schließlich schlafen die Kinder schon vor der gesetzlichen Nachtruhe.

Wir werden auf diesen Brief natürlich sehr wohlerzogen reagieren, uns entschuldigen, Besserung geloben. Das alles werden wir in einen netten Text verpacken und persönlich überreichen.

Was ich aber eigentlich sagen will, ist das hier:

Liebe Erika,

wie schön, dass wir schon per Du sind! Wir haben uns sehr über Deinen Brief gefreut und hätten die Sache gerne persönlich mit Dir und deinem Göttergatten besprochen, aber leider geht Ihr immer ins Bett, bevor wir aus der Kneipe zurück sind, deshalb antworten wir in Schriftform.

Zunächst einmal tut es uns leid, dass wir im vergangenen Monat tatsächlich einmal bis nach drei Uhr morgens auf der Terrasse saßen. Wir hätten früher nach drinnen gehen sollen, da habt Ihr recht. Aber das Wetter war einfach so schön, das kam diesen Sommer über ja selten genug vor.

Ihr habt auch völlig recht, dass es eine gesetzliche Nachtruhe von 22 bis 6 Uhr gibt. Aber seien wir doch mal vernünftig: Vielleicht sollten wir einfach versuchen, nett zu einander zu sein. Denn mit Sicherheit wisst Ihr auch, dass die Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr in diesen Breitengraden zu respektieren ist. Und seien wir ehrlich: Seit wir am 25. Januar hier eingezogen sind, gab es… lasst mich nachrechnen… genau 0 [Null] Tage, an denen die geschätzt zwei Dutzend Kinder in der Nachbarschaft diese Mittagsruhe eingehalten haben. Obwohl diese Geräusche (Babygebrüll, Bobbycar-Rennen, “Lina, komm jetzt endlich her”-Rufe, An-den-Haaren-ziehen, von unschmackhaften Gemüsebratlingen ausgelöste Tobsuchtsanfälle etc. pp.) laut und durch ihre Dauerhaftigkeit sehr störend sind, ignorieren wir sie immer wieder stoisch – und das, obwohl wir alle Hausarbeiten schreiben und uns auf Klausuren vorbereiten müssen. Du weist ja sicher, dass das nicht immer einfach ist, schießlich hast Du ja in Kunstgeschichte promoviert.

Ich vermute, dass Ihr auch eine Begehung des Hauses vorgenommen habt, bevor Ihr Euch dazu entschieden habt, in ein nun einmal nicht weit abgelegenes freistehendes Bauernhaus, sondern in eine Reihenhaussiedlung zu ziehen.

In Zukunft werden wir nach 22 Uhr nach drinnen gehen. Und zum Lachen sowieso in den Keller. Es wird ja eh bald Winter. Gott sei Dank.

Herzliche Grüße,
Das Studentenpack von nebenan

P.S. Vielleicht wollt Ihr ja doch einfach mal auf ein Gimlet rüberkommen und wir reden über alles. Natürlich vor 22 Uhr. LOVE.

* Name von der Redaktion geändert.

Share